Freitag, 10. März 2017

Dem Feldhasen geht es an den Kragen



Dem Feldhasen geht es an den Kragen

Dr. Friedrich Buer

Dem Feldhasen geht es an den Kragen und das, obwohl er unter Jägern als „sehr hartes Wild“ gilt und die Häsin dreimal im Jahr jeweils bis zu fünf Junge bekommt. Intensive Landwirtschaft mit immer größeren Maschinen, Monokulturen, Gülleregen, Pestizide und kaum noch ungestörte Ackerrandstreifen, Feldwege und Hecken zerstören seinen Lebensraum. Selbst die letzten Restflächen fallen dem Maisanbau für Biogas zum Opfer, was unter dem Strich mehr Energie verschlingt und bringt, aber dafür die Stromrechnung erhöht.



Feldhasen am Wegesrand – ein seltenes Bild

Es ist ein Trend, der vor Jahrzehnten einsetzte. Schon das Bundeslandwirtschaftsministerium unter Minister Ignaz Kiechle (1983-1993) erkannte die Landwirtschaft als Hauptursache für den Artenschwund der Feldtiere. Nicht zu vergessen ist der  Straßenverkehr. Jetzt ist auch noch das deutschlandweite Mulchen der Straßen- und Wegränder und aller Flächen, die ein Mulchmäher erreichen kann, dazu gekommen. Wo soll sich der Hase noch verstecken? Wo soll er seine vielfältigen Kräuter finden, die er braucht? Wo soll die Häsin ihre Jungen ablegen? Folglich ging in Bayern der Bestand in den letzten fünf Jahren fast um die Hälfte zurück. Selbst die Jäger sehen sich gezwungen, bei der Jagd auf Feldhasen zurückhaltend zu sein. Der amtliche Naturschutz, die Jäger und die großen Naturschutzverbände, die mehr Mitglieder als die politischen Parteien haben, stehen dieser Entwicklung hilflos gegenüber. Je grüner die Politik, desto schlechter geht es der Natur. Nur die Statistik des Niedergangs wird penibel geführt.

Rücksicht nehmen!
In dieser Lage sollte jeder Rücksicht nehmen. Jetzt im März haben die Häsinnen wieder ihre ersten Jungen geworfen. Sie bauen kein Nest sondern verteilen ihre Jungen einzeln auf einer größeren Fläche und besuchen sie nur, um sie zu säugen, meist in der Abenddämmerung. Dafür sind die Kleinen ausgezeichnet getarnt, fast geruchlos und rühren sich nicht. Nur zufällig und mit geübten Augen kann man sie entdecken.



Suchbild:
  Junger Feldhase am Rande eines Feldweges. Er liegt in der Bildmitte, sein
Köpfchen zeigt auf 1 Uhr und sein Schwänzchen auf 7 Uhr.

Wird jetzt gepflügt, geeggt, gegrubbert, gemulcht oder Gülle ausgebracht, sind sie verloren. Und da es kaum noch Feldraine  gibt, legen die Häsinnen ihre Jungen auch an den Rändern von Feldwegen ab. Doch da droht eine weitere Gefahr: Hunde die Gassi gehen.
Sie riechen zwar das Häschen nicht, können aber doch durch Zufall drauf stoßen und dann ist es für die kleinen Kerlchen zu spät. Also bitte aufpassen, auch wenn der Hund angeleint ist.

Aber natürlich sind die Hunde nicht das Problem. Das ist die Agrarpolitik, die rund die Hälfte des EU-Haushalts kostet und den Niedergang als Kollateralschaden geradezu erzwingt. Wer auf die Artenvielfalt Rücksicht nimmt, hat Nachteile und ist der Dumme. So kann das nicht mehr weitergehen.

Nicht anfassen und „retten“ wollen!
Leider kommt es vor, dass die vermeintlich „verlassenen, armen Häschen“ aus Mitleid eingesammelt werden und ins Tierheim gebracht werden – ein schwerer Fehler mit fatalen Folgen für die Kleinen. Selbst wenn es gelingt, sie aufzuziehen, was keineswegs sicher ist, ist das noch größere Problem ihre Auswilderung. Warum? Feldhasen brauchen die freie Wildbahn, die können sie im Tierheim nicht kennen lernen und werden schnell arglose Opfer ihrer natürlichen Feinde. Außerdem kann man Feldhasen nicht wie Kaninchen halten, denn es sind keine Kaninchen, selbst wenn sie fälschlich oft so genannt werden. Das Wildkaninchen wurde zum Haus- und Schmusetier, der Feldhase hat sich das nicht gefallen lassen. Er braucht Freiheit. Also entdeckt man junge Feldhäschen, nicht anfassen. Sie sind nicht verlassen. Ihre Mutter kümmert sich um sie. 

Dr. Friedrich Buer
5. März 2017



Dr. Friedrich Buer ist Gründungsmitglied und Beirat des „Verein für Landschaftspflege und Artenschutz in Bayern e.V. – VLAB“, einem neuen offiziell anerkannten Natur- und Umweltschutzverband. Ehrenpräsidenten sind Enoch zu Guttenberg und Hubert Weinzierl.




 



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