Donnerstag, 8. September 2016

Artenschutz ist Menschenschutz

   Hannibal II im Nato-Look – und was in der Tarnung steckt



 
Was ist das denn? 

Das ist Hannibal II, unsere Maurische Landschildkröte (Testudo graeca). Seine Heimat reicht vom Kaspischen Meer bis Südspanien. Doch unser Hannibal kommt aus einer hiesigen Zucht. Ein Findling, der mit Nagellack verziert wurde. Hannibal heißt er, weil seine Vorfahren auch über die Alpen kamen. Jetzt hat er es gut, denn er lebt bei uns, mag und kennt sein Frauchen, weil die ihn füttert und im Garten laufen lässt, wo er Leckereien findet. Alle anderen beißt er weg und vertreibt sie mit Rammstößen, egal ob groß oder klein, ob Hund oder Herrchen, der nur sein Gehege pflegen möchte. Beim Gartenausflug ist es dann passiert. Hannibal II schreitet zügig auf den Gartenteich zu und - Schildkröten sind schneller als man denkt – platsch - versinkt er im grünen Teppich der Schwimmpflanzen. Strampelnd wird er geborgen und in seiner Nato-Tarnung portraitiert.



Wie ein grüner Teppich schwimmt der Algenfarn Azolla filiculoides auf dem Teich und vom Ufer her wächst Gras und Pfennigkraut, Lysimachia nummularia, hinein


Das grüne Zeug auf seinem Panzer ist ein ganz besonderes Zeug. Es ist der Algenfarn Azolla filiculoides. Wer kennt den schon? Und doch ist er ein Beispiel dafür, welche ungeahnten Möglichkeiten in kaum bekannten Arten stecken. Es gibt ihn schon seit der Kreidezeit, die vor 146 Millionen Jahren begann. Nicht ausgeschlossen also, dass schon die Dinosaurier Azolla kannten und im Nato-Look aus den Sümpfen auftauchten. Ursprünglich stammt Azolla filiculoides aus Amerika. Inzwischen ist er weltweit verbreitet, bei uns unter anderem am Oberrhein und seit zwei Jahren in unserem Gartenteich.



Ein dichter Wald aus Wurzeln hängt ins Wasser 


Unter Farn stellt man sich etwas mit Farnwedeln vor. Die zeigen sich aber erst in der Makroaufnahme. Sie sind grün beschuppt und verzweigen sich wie Tannenzweige. Die Unterseite taucht ins Wasser und aus ihr hängen die dünnen braunen Wurzeln. Von der Oberseite perlt alles Wasser ab und was man auch versucht, die Oberseite zeigt immer wieder nach oben. Diese Eigenschaft - neuerdings Lotuseffekt genannt - ist also schon viele Millionen Jahre alt und für Azolla ein alter Hut. 



„Wedel“ mit Schuppen und Wurzeln. An der Oberseite perlt Wasser und Schmutz ab: Lotuseffekt


Das ganz Besondere an Azolla liegt verborgen in sackartigen Einsenkungen an der Unterseite der Schuppen. Es gibt dem Grün der Wedelchen einen Blaustich und ist nur im Mikroskop zu sehen. Es ist das Cyanobakterium Anabaena azollae, das mit Azolla eine Art Gemeinschaftsunternehmen, eine Symbiose gegründet hat. Anabaena bekommt von Azolla organische Verbindungen und Aminosäuren sowie ein sicheres Domizil. Dafür liefert Anabaena den Stickstoffdünger Ammoniak, den es aus dem Stickstoffgas der Luft herstellt. Gemeinschaft macht stark und treibt die Evolution an.



Fädige, blaugrüne Cyanobakterien (Anabaena azollae) leben in lockeren Knäueln in Einsenkungen an der Schuppenunterseite. Die blaugrünen Zellen sind wie auf einer Perlenkette aufgereiht, unterbrochen von größeren, farblosen und dickwandigen Zellen (Hetorocysten), die mit Hilfe des Enzyms Nitrogenase Luftstickstoff in Ammoniak verwandeln. 


Stickstoff ist für alles was lebt unverzichtbar, denn er wird für den Eiweißaufbau gebraucht und ohne Eiweiß kein Leben. Aber er ist Mangelware. Nur weil mit chemisch hergestelltem Stickstoff gedüngt wird, kann die Menschheit ernährt werden. Das ist teuer und verschlingt viel Energie. Zwar besteht die Luft zu 80 Prozent aus Stickstoff, doch nur einige Bakterien können ihn aus der Luft aufnehmen, Pflanzen, Pilze und Tiere gar nicht. Aber Anabaena kann das und einige andere Bakterien, die zum Beispiel mit Bohnen und Erlen in Symbiose leben, ebenfalls.  



Reis mit Azolla in einer Schiebkarre 


Die Symbiose von Azolla und Anabaena produziert jährlich 95 kg reinen Düngestickstoff (N2)    pro Hektar – kostenlos. Wird das Wasser abgelassen und der Reis geerntet, kompostiert der Azolla-Teppich und sein Stickstoffdünger wird für die nächste Ernte frei. Aus den Sporen wächst ein neuer Düngeteppich für die übernächste Reisernte und so weiter. Artenschutz ist Menschenschutz, denn Reis ernährt Milliarden von Menschen. Und dies ist nur ein Beispiel von vielen.


Mit solchen Pfunden müssen wir wuchern. Hier muss Geld in Forschung und Entwicklung gesteckt werden. Doch was macht unsere Regierung? Sie zwingt uns Stromkunden mit ihrem „Erneuerbare Energie Gesetz (EEG)“ Jahr für Jahr 28 Milliarden Euro für eine sinnlose Art der Energiewende zu zahlen, unser Land mit Windmühlen und Solaranlagen zu verschandeln und Vögel und Fledermäuse vom Himmel zu schlagen. 


Dabei hat bereits am 26. Februar 2014 die regierungseigene, unabhängige Expertenkommission für Forschung und Innovation (EFI) der Bundeskanzlerin ihr Gutachten zum EEG überreicht. Darin wird zusammenfassend wörtlich festgestellt: „Das EEG sorgt also nicht für mehr Klimaschutz, sondern macht ihn deutlich teurer.“ Windmühlen und Solaranlagen sind also für die Katz. Stattdessen fehlt Geld für Forschung und Entwicklung und Wissenschaftler an Universitäten müssen von der Industrie „Fremdmittel einwerben“, damit sie forschen können.




Dr. Friedrich Buer
7. August  2016



Dr. Friedrich Buer ist Gründungsmitglied und Beirat des „Verein für Landschaftspflege und Artenschutz in Bayern e.V. – VLAB“, einem neuen offiziell anerkannten Natur- und Umweltschutzverband. Ehrenpräsidenten sind Enoch zu Guttenberg und Hubert Weinzierl.






 









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